Holz, Wasser, Glas I Thermalbad in Österreich eröffnet



Vielleicht ist das die richtige Antwort auf den Klimawandel, der laut Prognose den Ski-Tourismus in den Alpenregionen durch Gletscherwegtauen und Warmwetterperioden in seiner Existenz bedroht: Thermalbäder bauen. In den letzten Jahren scheinen sich jedenfalls sehr viele kleinere Orte in den Bergregionen Deutschlands, Italiens sowie in Österreich und der Schweiz durch große Badeanstalten ihr Stückchen vom Tourismuskuchen sichern zu wollen.



Nach den zuletzt eröffneten Bädern in Spittal, in Kaltern und von Behnisch Architekten in Kärnten und Bad Aibling hat nun auch in Bad Gleichenberg / Steiermark ein Thermalbad auf 17.500 Quadratmetern eröffnet. Entworfen wurde der Bau vom norwegischen Büro Jensen & Skodvin Arkitektkontor (JSA).

Das Gebäude liegt in einem Park zu Füßen der Burg auf dem Gleichenberg. Das Raumprogramm umfasst ein Vier-Sterne-Hotel, Restaurants, Cafés sowie ein Thermalbad und 50 Räume für verschiedene medizinische Behandlungen, darunter eine in der Steiermark einzigartige Kältekammer zur „Behandlung von Schmerzen des Bewegungsapparates und Migräne“. Der Patient hält sich bei dieser Therapie etwa drei Minuten bei minus 110 Grad auf, um seine Schmerzen zu lindern. Zwischen solchen Behandlungen können sich die Patienten in den transparenten und offenen Räumen des lang gestreckten Gebäudes entspannen, die einen direkten Bezug zur Parklandschaft ermöglichen. Dafür wurden runde Höfe tief in das Gebäude geschnitten, welche die Verzahnung von Haus und Park erweitern. „Eines unserer Hauptanliegen war es, die Architektur zu ent-institutionalisieren, damit es so wenig wie möglich an ein Spital erinnert“, schreiben die Architekten. Dafür stand auch die dominante Verwendung der Materialien, bei der Holz, Glas und Wasser im Vordergrund stehen.

Und die Serie wird mit weiteren Thermalbädern fortgesetzt werden: In Wien wurde bereits der Grundstein für eine neue Therme gelegt, die Bauarbeiten an der Therme von the nextEnterprise in Villach und an der ebensolchen von as-if und Raumzeit Architekten in Schruns/ Vorarlberg sollen demnächst beginnen.

Schachtelhecken und Hügelgebäude I NEUE STADT IN KOREA



Nach dem Erfolg im spanischen Rioja (BauNetz-Meldung vom 24. September 2008) konnte das Rotterdamer Büro MVRDV am 3. Dezember 2008 einen erneuten Wettbewerbsgewinn in Sachen „Neue Stadt“ vermelden: Die Holländer haben den Gwanggyo City Centre-Wettbewerb in Südkorea gewonnen. Das gaben das Daewoo-Konsortium und die Stadtverwaltung von Gwanggyo bekannt.



MVRDV lieferten einen Entwurf für ein dicht bebautes Stadtzentrum für die Neue Stadt Gwanggyo, 35 km südlich der koreanischen Hauptstadt Seoul. Die Pläne bestehen aus eine Reihe von „überwucherten Hügelgebäuden“ mit breitem Nutzungsmix. Die Gebäude „zielen auf eine hohe städtische Dichte“ und sollen die weitere bauliche Entwicklung der umliegenden Gebiete rund um dieses so genannte „Kraftzentrum“, eines der zwei geplanten Zentren der neuen Stadt,  „ermutigen“.

Mit der Strategie der „Kraftzentren“ verfolgt die Stadtplanung in Südkorea seit Beginn des Jahrtausends die Schaffung von „lokalen Knoten“, die aus einer konzentrierten Mischung von öffentlichen Funktionen, Einzelhandel, Kultur, Wohnen, Büros und Freizeiteinrichtungen bestehen. Das Gwanggyo-Kraftzentrum soll 200.000 Quadratmeter Wohnungen, 48.000 Quadratmeter Büros, 200.000 Mix aus Kultur, Handel Freizeit und Bildung sowie 200.000 Quadratmeter Parken aufnehmen.

Um die unterschiedlichen Entstehungsphasen und verschiedenen Größen dieser Nutzungen zu ermöglichen, sind alle Elemente ringförmig ausgebildet. Durch das „Herausdrücken“ dieser Ringe entstehen für jede Nutzung Terrassen für das Leben unter freiem Himmel. Die Dachflächen dieser „Hügel“ und die Terrassen sind mit „Schachtelhecken“ bepflanzt, die einen starken, wiedererkennbaren und zusammengehörenden Park schaffen. Dieser vertikale Park fördert Klimatisierung und Belüftung und hilft so, Energie und Wasser zu sparen.

Das Grundstück ist von einem schönen See und bewaldeten Hügeln umgeben. Diese Grünqualitäten werden durch die Ausbildung von Parks auf den Dachflächen der Bebauung in das Projekt hineingeholt. Das „Verschieben“ der Decken schafft im Gegenzug in den ausgesparten Kernen große Atriumhöfe. Diese dienen als Lobbies für Wohnungen und Büros, als Plazas für Einkaufszentren und als Eingangshallen für Museums- und Freizeitnutzungen. In jedem der Türme sorgen Lufträume für Belichtung und Belüftung der Atrien und schaffen halböffentliche Bereiche. In den untere geschossen sind die Atrien durch eine Reihe von öffentlichen Räumen auf verschiedenen Etagen miteinander verbunden.

Die Pläne werden jetzt von den Behörden geprüft und auf ihre Machbarkeit hin untersucht. Die komplette neue Stadt für 77.000 Einwohner soll energetisch autark sein. Die Fertigstellung ist für 2011 vorgesehen.

Architekt der Sydney-Oper I Jørn Utzon gestorben



Seinen Namen kennt jeder, der sich mit der Architektur des zwanzigsten Jahrhunderts befasst, und doch bringt man ihn eigentlich nur mit einem einzigen Projekt in Verbindung: mit der Oper in Sydney, die von 1956 bis 1973 nach Plänen des dänischen Architekten Jørn Utzon entstand. Utzon ist am 29. November 2008 im Alter von 90 Jahren in einem Pflegeheim in Kopenhagen gestorben.



Es gibt wohl weltweit kein anderes Gebäude der Moderne, das so emblematisch für eine Stadt, ein Land, ja einen ganzen Kontinent steht wie die Sydney-Oper für Australien. Hier hat es ein moderner Architekt geschafft, ein bildmächtiges Symbol zu schaffen, das weltweit mit einem Ort verbunden wird – ganz gleich, ob man es nun als „Muschelschale“ oder „geblähte Segel“ dechiffriert. Dabei gab es bei der Planung und Errichtung des expressiven Baus erhebliche Schwierigkeiten bis hin zur Explosion der Baukosten und der Bauzeit, die zum Rückzug des Architekten aus dem Projekt im Jahr 1966 und zur Ausführung veränderter Details durch andere Architekten führte. Erst in den Jahren ab 2004 konnte das Innere des Opernhauses nach den ursprünglichen Vorstellungen von Jørn Utzon (um-)gestaltet werden. Ungeachtet der Probleme bei der Ausführung der Oper erhielt Utzon im Jahre 2003 den Pritzker-Preis für sein Lebenswerk.

Stella di Castello - Schloss I Wettbewerb in Berlin entschieden



Am 28. November 2008 wurde in Berlin das Ergebnis des wichtigsten und umstrittensten Architekturwettbwerbs dieses Jahres bekannt gegeben: des Verfahrens für das Berliner Humboldt-Forum mit den Fassaden des Stadtschlosses. Mit dem Ergebnis hatte im Vorfeld niemand gerechnet: Die Jury hat sich einstimmig auf einen ersten Preisträger geeinigt!



Den Wettbewerb gewonnen hat der italienische Architekt Francesco Stella aus Vicenza, der als Rossi-Schüler gilt. Er erhielt den Preis dem Vernehmen nach hauptsächlich für seinen sensiblen Umgang mit der Ostfassade, die ja modern gestaltet werden durfte. Dort soll ein „Belvedere“ entstehen. Stella hält also die Vorgaben des Bundestages ein, drei Barockfassaden und den Schlüterhof als Kopie zu errichten. Auch werden drei Portale strukturell rekonstruiert.

Um die Alleinstellung des ersten Preisträgers zu betonen, hat die Jury keinen zweiten Preis vergeben, dafür vier dritte. Diese dritten Preisträger sind Hans Kollhoff, Jan Kleihues, Christoph Mäckler sowie Eccheli e Campagnola aus Verona. Außerdem gab es zwei Ankäufe für nps Tchoban Voss und Reimar Herbst (beide Berlin). Auch diese haben die Bundestags-Vorgaben eingehalten.

Alle Arbeiten, die dies nicht getan haben, hat die Jury in einer „Sondergruppe“ behandelt. Aus dieser Gruppe bekam das Berliner Büro Kuehn Malvezzi einen Sonderpreis.

Der Juryvorsitzende Vittorio Magnago Lampugnani berichtete der Presse: „Die Diskussion war nicht einfach, wir haben uns gestritten, wie zu erwarten war, aber konstruktiv gestritten.  Die Fronten, die es natürlich gab, verliefen nicht wie befürchtet zwischen Sach- und Fachpreisrichtern, also zwischen Politikern und Architekten, sondern sie waren komplizierter... Jedenfalls war die Jury extrem produktiv, stellenweise vergnüglich und sehr lehrreich. Das Ergebnis ist kein Kompromiss, sondern ein schönes, starkes, mutiges Projekt, das die historische Tradition, aber auch eine etwas frechere, modernere, spannendere Tradition mit fortführt. Stella tut Dinge, die nicht vorgesehen waren, z.B. führt er ein so genanntes Schlossforum ein: ein neuer Durchgang, der vom Lustgarten in die Stadt hineinführt.“

Gläserner Drache I Baubeginn für Shanghaicenter



Am 29. November wird offiziell mit dem Bau für das 632 Meter hohe „Shanghai Center“ begonnen. Das höchste Gebäude auf dem chinesischen Festland soll bis 2014 entstehen.



Nur drei Monate nach der Eröffnung des Shanghai World Financial Center (SWFC) vom New Yorker Büro Kohn Pedersen Fox beginnen in der Finanzmetropole Shanghai die Bauarbeiten für den 632 Meter hohen Wolkenkratzer. Der Turm wird neben Büros, Einzelhandelsflächen und dem für Megatürme üblichen Super-Luxushotel auch kulturelle Einrichtungen umfassen. Der Tageszeitung Shanghai Daily zufolge betragen die Gesamtinvestitionen 14,8 Milliarden Yuan (2,17 Milliarden US-Dollar). Das Hochhaus in Form eines Mega-Korkenziehers soll bis 2014 im Lujiazui-Finanzdistrikt aus dem Boden wachsen, wie die Shanghai Center Construction and Development Co. gestern verlauten ließ.

Der dritte und letzte Milliardenstreich für Shanghai wurde von der amerikanischen Planungsfirma Gensler entworfen, die das nach oben schraubende Stahlskelett mit einer Glashülle versehen wollen. Es soll insgesamt neun begrünte Atrien geben. Ihr Vorschlag, den die Architekten selbst mit „Drache“ betiteln, war erst im Juni unter vielen ausgewählt worden. „Der Entwurf ist umweltfreundlich”, meint Wang Wei, Direktor des Engineering Center for Green Construction beim chinesischen Bauministerium, begeistert.

Noch euphorischer gibt sich der Entwickler: „Wir erwarten, dass das Shanghai Center die heimische Nachfrage und das Wirtschaftswachstum Chinas inmitten der globalen Finanzkrise steigern wird,“ spekuliert Kong Qingwei von der Shanghai Center Construction and Development Co. Dessen General Manager Gu Jianping setzt noch eins drauf: Dank der Rezession seien jetzt ja auch die Baumaterialien billiger. Die Mieten würden im Gegenzug viel höher ausfallen als heute, orakelt Gu. Eben eine typisch-chinesische Win-Win-Situation.

Der Traum Shanghais, ein Dreieck aus Super-Wolkenkratzern östlich des Huangpu-Flusses zu schaffen, soll sich mit dem Shanghai Center erfüllen. Den Beginn des architektonischen Dreigestirns markierte der 1999 fertigestellte Jinmao-Tower (Skidmore, Owings & Merrill) mit 420 Metern Höhe, dem das 492 Meter hohe SWFC Anfang September 2008 folgte. Nach seiner Fertigstellung wird das Shanghai Center endlich den innerchinesischen Höhenrekord des Taipei 101 brechen - was vor allem die Regierung in Peking zu Begeisterungsstürmen verleiten dürfte.

Till Wöhler, Peking

Gestapelte Nachbarschaft I MVRDV gewinnt in Kopenhagen



MVRDV melden einen Wettbewerbsgewinn in Kopenhagen: Im selbständigen Ortsteil Rødovre haben die Rotterdamer in Zusammenarbeit mit dem Büro Adept (Kopenhagen) den ersten Preis für ihren Entwurf des „Rødovre Skyscraper“ gewonnen. Das gaben MVRDV am 3. November 2008 bekannt. An dem Wettbwerb waren noch Behnisch Architekten, BIG und MAD beteiligt.



Der 116 Meter hohe Turm soll Wohnungen, ein Hotel, Einzelhandel und Büros aufnehmen. Auch ein öffentlicher Park und eine Plaza sind Bestandteil des privat finanzierten Bauvorhabens. Das Hochhaus mit seinen rund 22.000 Quadratmetern Fläche soll direkt an der Roskildevej entstehen, einer Hauptausfallstraße östlich des Kopenhagener Zentrums.

Die Architekten geben an, für den Entwurf zwei ortstypische Motive von Rødovre herangezogen zu haben: das Einfamilienhaus und die vertikale Stadt im Wolkenkratzer. Damit entstehe Kopenhagens erstes zeitgemäßes Hochhaus.
Der Entwurf besteht aus einen flexiblen Raster, das gegebenenfalls eine Veränderung des Raumprogramms durch Umwidmung ermöglicht. Die Grundeinheit, „Pixel“ genannt, hat 60 Quadratmeter Grundfläche und ist um einen zentralen Kern gruppiert, der aus drei miteinander verbundenen Schächten besteht, die eine separate Erschließung der jeweiligen Nutzungen ermöglichen.

In den unteren Etagen ist das Gebäude „schlank“, um Raum für die umgebende Plaza mit Geschäften und Restaurants zu bieten. Im darüber liegenden Teil des Hochhauses sind Büros untergebracht; der mittlere Teil „lehnt“ sich dann nach Norden, um eine Vielzahl von „Himmelsgärten“ zu ermöglichen, die sich nach Süden hin terrassieren. So wird eine „gestapelte Nachbarschaft“ geschaffen, ein „Himmelsdorf“. Die Apartements profitieren von dieser Süd-Orientierung. In der Spitze des Hochhauses ist schließlich das Hotel untergebracht, das einen Panoramablick auf das Kopenhagener Stadtzentrum bietet.